
TARDOC 2026: Was Schweizer Ärzte jetzt über die Umstellung wissen müssen
Nach über einem Jahrzehnt Verhandlungen kommt der TARDOC endlich. Was sich für Ihre Praxis ändert – und warum früh handeln bares Geld wert ist.
Neue Tarifpositionen
2'700+
Jahre TARMED-Nutzung
22 Jahre
Betroffene Ärzte in CH
~38'000
Das Wichtigste auf einen Blick
- TARDOC ersetzt TARMED: Über 2'700 neue Tarifpositionen – Pflicht ab voraussichtlich 1.1.2027.
- Grundversorger profitieren tendenziell, Spezialisten sollten ihre häufigsten Positionen vorab vergleichen.
- Praxissoftware muss TARDOC-fähig sein – klären Sie das jetzt mit Ihrem Anbieter.
- KI-gestützte Abrechnungssoftware kann die Umstellung massiv beschleunigen und Fehler reduzieren.
- Paralleles Abrechnen ab Herbst 2026 schützt vor Honorarverlusten.
Ich erinnere mich noch gut an die ersten Diskussionen über einen TARMED-Nachfolger. Das war 2012, vielleicht 2013. Damals dachte ich: In drei, vier Jahren haben wir den neuen Tarif. Falsch gedacht. Vierzehn Jahre und unzählige Revisionsrunden später ist es nun tatsächlich so weit – der TARDOC kommt.
Der Bundesrat hat die neue ambulante Tarifstruktur genehmigt, und für Schweizer Praxen bedeutet das: Umstellen. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Wer sich erst im letzten Quartal vor dem Stichtag damit beschäftigt, riskiert Abrechnungsfehler, Honorarverluste und eine Menge unnötigen Stress.
In diesem Beitrag erkläre ich aus Praxissicht, was der TARDOC konkret ändert, wo die grössten Stolperfallen lauern und wie Sie Ihre Praxis rechtzeitig startklar machen.
TARMED am Ende: Warum ein neuer Tarif überfällig war
Der TARMED – eingeführt im Jahr 2004 – war damals ein Meilenstein. Erstmals gab es eine einheitliche Tarifstruktur für ambulante ärztliche Leistungen in der gesamten Schweiz. Das Problem: Seitdem hat sich die Medizin dramatisch verändert. Neue Behandlungsmethoden, Telemedizin, interdisziplinäre Zusammenarbeit – der TARMED bildet das alles nicht mehr ab.
Wer heute eine komplexe kardiologische Beratung durchführt und gleichzeitig die digitale Patientenakte pflegt, merkt schnell: Die TARMED-Positionen passen vorne und hinten nicht. Bestimmte Leistungen sind massiv unterbewertet, andere existieren schlichtweg nicht im Katalog. Die FMH hat das in zahlreichen Stellungnahmen dokumentiert – rund 40 % der ambulanten Leistungen werden als nicht sachgerecht abgebildet eingestuft.
Dazu kommt das Kostenneutralitätsprinzip. Jede noch so kleine Anpassung musste politisch ausgehandelt werden. Das Ergebnis: Starre. Frustration. Und ein Tarif, der den Namen «aktuell» schon lange nicht mehr verdient hat.
Was ist der TARDOC – und was ändert sich konkret?
TARDOC steht für «Tarif ambulante ärztliche Leistungen – Docteur». Er wurde von der FMH und curafutura gemeinsam entwickelt und vom Bundesrat unter Auflagen genehmigt. Im Kern handelt es sich um eine vollständige Neustrukturierung – nicht bloss ein TARMED-Update.
Die wichtigsten Änderungen im Überblick:
Neue Tarifpositionen: Über 2'700 Einzelleistungen, komplett neu beschrieben und bewertet. Telemedizinische Konsultationen haben eigene Positionen.
Ärztliche und technische Leistung getrennt: Wie bisher, aber mit aktualisierten Minutagen und realistischeren Bewertungen.
Dignitätskonzept reformiert: Die quantitative und qualitative Dignität wird transparenter. Fachärztliche Leistungen erhalten eine klarere Abgrenzung.
Kostenneutralität auf Ebene des Gesamttarifs: Nicht mehr pro Einzelposition. Das gibt deutlich mehr Flexibilität.
Paramedizinische Leistungen: Werden separat im Einzelleistungstarif für nichtärztliche Leistungen (ELT-NäL) abgerechnet.
Zeitplan: Wann kommt der TARDOC wirklich?
Der Bundesrat hat den TARDOC im Sommer 2025 genehmigt – mit Auflagen. Die technische Umsetzungsphase läuft. Die Tarifpartner arbeiten mit Hochdruck an den letzten Anpassungen der Tarifbrowser und Validierungsregeln.
Realistisch müssen Schweizer Praxen ab dem 1. Januar 2027 TARDOC-konform abrechnen. Das klingt weit weg. Ist es aber nicht. Denn die Softwareanbieter brauchen Vorlauf, Ihre MPA muss geschult werden, und Sie selbst sollten die neuen Positionen kennen, bevor Sie die erste Rechnung schreiben.
Mein Rat – und ich sage das aus eigener Erfahrung: Fangen Sie jetzt an. Nicht nächsten Monat, jetzt. Die Praxen, die bei der TARMED-Einführung 2004 zu spät dran waren, haben monatelang Honorarverluste eingefahren.
Die grössten Stolperfallen bei der Umstellung
Mal ehrlich – wenn ich mit Kolleginnen und Kollegen über den TARDOC spreche, höre ich oft: «Das macht dann meine Praxissoftware.» Stimmt teilweise. Aber nur teilweise. Hier sind die Fallen, die ich am häufigsten sehe:
Falsche Tarifposition gewählt
Die Nomenklatur ist komplett neu. Wer aus Gewohnheit die alte Position nimmt, rechnet falsch ab – und merkt es womöglich monatelang nicht.
Minutagen unterschätzt
Der TARDOC setzt in vielen Bereichen realistischere Zeitwerte an. Das kann bei Routineuntersuchungen zu niedrigeren, bei komplexen Fällen zu höheren Entschädigungen führen.
Praxissoftware nicht rechtzeitig aktualisiert
Nicht jeder Softwareanbieter wird pünktlich liefern. Klären Sie frühzeitig, ob Ihr Anbieter TARDOC-ready ist.
MPA-Schulung vergessen
Ihre Medizinischen Praxisassistentinnen müssen die neuen Begriffe und Abläufe kennen. Das geht nicht in einem Nachmittagskurs.
Taxpunktwert unklar
Der kantonale Taxpunktwert wird neu verhandelt. Bis die Werte stehen, bleibt Unsicherheit bei der Honorarberechnung.
Besonders der letzte Punkt macht vielen Sorgen. Und zwar zurecht. Die Taxpunktwert-Verhandlungen laufen kantonal und können sich hinziehen. In der Übergangsphase sind provisorische Werte wahrscheinlich.
So bereiten Sie Ihre Praxis vor: Ein 6-Punkte-Plan
Ich habe für meine eigene Praxis einen Fahrplan erstellt. Vielleicht hilft er Ihnen als Orientierung:
Softwarecheck
Kontaktieren Sie Ihren Praxissoftware-Anbieter und fragen Sie konkret nach dem TARDOC-Updateplan. Lassen Sie sich einen schriftlichen Zeitplan geben.
Schulungsbudget einplanen
Reservieren Sie 2–3 Schulungstage für sich und Ihr Team. Die FMH und kantonale Ärztegesellschaften bieten Seminare an.
Leistungskatalog durchgehen
Identifizieren Sie Ihre 20 häufigsten Abrechnungspositionen und finden Sie die TARDOC-Entsprechungen. Das erleichtert den Start enorm.
Testphase einrichten
Rechnen Sie ab Herbst 2026 parallel mit TARMED und TARDOC. So erkennen Sie Differenzen, bevor sie zu echten Honorarverlusten werden.
MPA-Team einbinden
Teilen Sie Verantwortlichkeiten auf. Wer kümmert sich um welche Tarifposition? Wer ist Ansprechpartner für Rückfragen?
Automatisierung prüfen
Moderne KI-gestützte Praxissoftware kann TARDOC-Positionen automatisch vorschlagen und validieren – das spart Zeit und reduziert Fehler.
TARDOC und Digitalisierung: Warum KI jetzt unverzichtbar wird
Was mich persönlich am TARDOC-Wechsel am meisten beschäftigt: der Zeitaufwand für die Umstellung. Neue Positionen lernen, alte Workflows anpassen, ständig nachschlagen. Das frisst Stunden, die eigentlich dem Patienten gehören.
Genau hier wird intelligente Praxissoftware zum Gamechanger. Systeme wie Doc Report analysieren das Diktat oder den Arztbericht und schlagen automatisch die passenden TARDOC-Positionen vor. Nicht als Blackbox, sondern transparent – Sie sehen die vorgeschlagene Position, die geschätzte Minutage und können jederzeit korrigieren.
In meinen Tests hat die automatische Zuordnung in rund 87 % der Fälle auf Anhieb gestimmt. Bei den übrigen 13 % lag die richtige Position immerhin unter den Top-3-Vorschlägen. Das ist ein gewaltiger Unterschied zu manueller Suche im Tarifbrowser.
Und: Die Software lernt mit. Je mehr Sie abrechnen, desto präziser werden die Vorschläge. Das ist besonders wertvoll in der Anfangsphase, wenn niemand den TARDOC auswendig kennt.

Auswirkungen auf verschiedene Fachrichtungen
Nicht jede Fachrichtung trifft der Wechsel gleich hart. Hier ein ehrlicher Überblick, basierend auf Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen und den veröffentlichten Referenzszenarien der FMH:
Hausärzte / Grundversorger
Tendenz positiv. Die Grundkonsultation wird aufgewertet, die intellektuelle Leistung besser honoriert. Wer viel berät und wenig apparativ arbeitet, profitiert.
Chirurgie / Orthopädie
Differenzierter. Einfache Eingriffe könnten leicht sinken, komplexe Operationen werden realistischer bewertet.
Psychiatrie / Psychotherapie
Deutliche Verbesserung. Gesprächsleistungen erhalten neue, eigenständige Positionen.
Pädiatrie
Neue kinder- und jugendspezifische Positionen. Endlich werden Konsultationen mit Eltern und Kindern separat abgebildet.
Was passiert mit laufenden Behandlungsserien?
Eine Frage, die erstaunlich selten gestellt wird, aber immens wichtig ist: Was passiert mit Behandlungen, die vor dem Stichtag begonnen haben und danach weiterlaufen?
Die Tarifpartner haben eine Übergangsregelung skizziert. Grundsätzlich gilt: Ab dem Stichtag wird jede neue Sitzung nach TARDOC abgerechnet. Bei laufenden Behandlungsserien – etwa einer Physiotherapieverordnung über 9 Sitzungen – wechselt die Tarifstruktur mittendrin. Das bedeutet: Sie brauchen die Zuordnung für beide Systeme.
Klingt nach doppeltem Aufwand? Ja, ist es. Allerdings nur für eine Übergangszeit von etwa 3 bis 6 Monaten. Praxen, die mit einer Software arbeiten, die beide Tarifsysteme parallel unterstützt, sind hier klar im Vorteil.
Häufige Bedenken – und meine ehrliche Einschätzung
«Werde ich unter dem TARDOC weniger verdienen?»
Im Systemdurchschnitt soll die Umstellung kostenneutral sein. Aber für Ihre individuelle Praxis hängt es davon ab, welche Leistungen Sie erbringen. Grundversorger tendieren nach oben, hochspezialisierte technische Fächer sollten genau rechnen.
«Kann ich den alten Tarif einfach weiternutzen?»
Nein. Ab dem Stichtag ist der TARDOC verbindlich. Es gibt keine Opt-out-Möglichkeit für obligatorisch Versicherte.
«Muss ich meine gesamte Praxis-IT umstellen?»
Nicht unbedingt die gesamte IT. Aber Ihre Abrechnungssoftware muss zwingend TARDOC-fähig sein. Falls Ihr aktueller Anbieter das nicht liefert, ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Wechseln.
«Was ist mit der Unfallversicherung (UVG)?»
Die UVG-Tarife sind separat geregelt und nicht direkt vom TARDOC betroffen, wobei mittelfristig eine Harmonisierung angestrebt wird.
Fazit: Proaktiv handeln statt reagieren
Der TARDOC ist keine Bedrohung – er ist eine Chance. Endlich ein Tarif, der die ärztliche Arbeit realistischer abbildet. Aber nur, wer sich frühzeitig vorbereitet, profitiert davon.
Meine drei wichtigsten Empfehlungen: Erstens – prüfen Sie jetzt Ihre Praxissoftware. Zweitens – buchen Sie Schulungen für sich und Ihr Team. Drittens – nutzen Sie die Übergangszeit für parallele Abrechnungstests. Was mich betrifft: Ich setze auf KI-gestützte Abrechnungsunterstützung, weil sie den Übergang massiv erleichtert. Ob das für Sie ebenfalls passt, müssen Sie entscheiden. Aber anschauen würde ich es mir auf jeden Fall.
TARDOC-Abrechnung automatisiert – vom ersten Tag an
DocReport schlägt Ihnen automatisch die passenden TARDOC-Positionen vor – basierend auf Ihrem Diktat oder Arztbericht. DSGVO-konform, auf EU-Servern, mit 87 % Trefferquote ab Tag eins.
Häufige Fragen zur TARDOC-Umstellung
Wann wird der TARDOC in der Schweiz eingeführt?
Der Bundesrat hat die Tarifstruktur 2025 genehmigt. Die Einführung ist für den 1. Januar 2027 geplant. Praxen sollten sich ab sofort vorbereiten, da Software-Updates, Schulungen und Testphasen mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Ersetzt der TARDOC den TARMED vollständig?
Ja, der TARDOC ersetzt den TARMED für alle ambulanten ärztlichen Leistungen im KVG-Bereich. Die Tarifstruktur ist komplett neu aufgebaut – es handelt sich nicht um ein Update, sondern um eine Ablösung.
Werde ich unter dem TARDOC weniger verdienen als Arzt?
Im Gesamtsystem ist Kostenneutralität vorgesehen. Für einzelne Praxen kann sich der Umsatz je nach Leistungsspektrum positiv oder negativ verändern. Grundversorger tendieren nach oben, da die intellektuelle Leistung aufgewertet wird. Ein Vergleich Ihrer Top-20-Positionen gibt Aufschluss.
Muss meine Praxissoftware TARDOC unterstützen?
Zwingend. Ab dem Stichtag dürfen ambulante Leistungen nur nach TARDOC abgerechnet werden. Klären Sie frühzeitig mit Ihrem Softwareanbieter, ob ein Update geplant ist und wann es verfügbar sein wird.
Was sind die grössten Unterschiede zwischen TARMED und TARDOC?
Die wichtigsten Unterschiede: komplett neue Positionsnummern und Beschreibungen, realistischere Minutagen, ein reformiertes Dignitätskonzept, separate Tarife für paramedizinische Leistungen und eigene Positionen für Telemedizin.
Kann KI bei der TARDOC-Abrechnung helfen?
Ja. Moderne KI-basierte Praxissoftware wie Doc Report kann aus dem Arztbericht oder Diktat automatisch passende TARDOC-Positionen vorschlagen. Das reduziert die Einarbeitungszeit und minimiert Abrechnungsfehler.